Entscheidungskriterien
Die Entscheidung für die private Krankenversicherung gilt für Ihr ganzes Leben, da die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nur schwer möglich ist. Das gleiche gilt nach wie vor auch für den Wechsel zu einem anderen Krankenversicherungsunternehmen. Darum prüfen Sie die unterschiedlichen Versicherungsangebote genau, ehe Sie sich für ewig binden!
Bevor Sie sich überhaupt verlockende Angebote von privaten Krankenversicherungsunternehmen einholen, sollten Sie sich zunächst selbst die Fragen beantworten,
  • welche Leistungen Sie von Ihrer Krankenversicherung erwarten und
  • wie viel Sie dafür an monatlichen Beiträgen auszugeben bereit sind. 
Muss es ein Einbettzimmer sein oder genügt Ihnen im Falle eines notwendigen Krankenhausaufenthaltes auch ein Mehrbettzimmer? Wollen Sie eine 100-prozentige Erstattung für einen Zahnersatz oder reicht Ihnen eine Kostenerstattung von 50 Prozent? Wollen Sie für sich alternative Heilverfahren in Anspruch nehmen?
Außerdem sollten Sie sich über Ihre zukünftige Lebensplanung (z.B. Kinderwunsch) bewusst sein und bei der Wahl des Tarifs berücksichtigen. 

Schwangerschaft und Kinder

Eine private Krankenversicherung lohnt sich für Frauen mit Kinderwunsch dann, wenn eine schnelle Rückkehr in die Erwerbstätigkeit angestrebt wird und nicht mehr als eins, zwei Kinder geplant sind.
Einige private Krankenversicherungsunternehmen bieten spezielle Tarife an, die für Mütter beitragsfreie Monate vorsehen. Diese sollten Sie prüfen, denn die fehlenden Einnahmen holen sich die Versicherer schließlich über höhere Monatsbeiträge zurück. Unter Umständen fahren Sie besser, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Partner frühestmöglich Rücklagen bilden, statt einen solchen Tarif zu wählen.
Stellen Sie vor Vertragsabschluss einer privaten Krankenversicherung schwanger werden, müssen Sie dies Ihrem Versicherer umgehend melden, da eine Schwangerschaft als veränderter Gesundheitszustand zu betrachten ist. Meistens streichen die Versicherer dann beispielsweise die Leistungen für die Entbindung.
Gehen Sie als Arbeitnehmerin in die Elternzeit oder arbeiten nur noch Teilzeit, wird Ihr Einkommen wahrscheinlich unter die Versicherungspflichtgrenze rutschen und Sie somit wieder gesetzlich pflichtversichert werden.
Eine private Krankenversicherung ist für diejenigen nicht zu empfehlen, die mehrere Kinder möchten und die sich nach der Geburt vorerst mehr ihren Kindern als der Arbeit widmen möchten.

Wie ist das Kind versichert?

Sind beide Elternteile privat versichert, muss für jedes Kind eine private Versicherung abgeschlossen werden (ca. 100 Euro pro Kind).
Ist ein Elternteil gesetzlich und der andere privat krankenversichert, entscheidet das höhere Einkommen über die Versicherungsform des Kindes. Hat der Partner mit der privaten Krankenversicherung das höhere Einkommen von beiden, muss er für das Kind ebenfalls eine kostenpflichtige Mitversicherung mit seiner privaten Krankenversicherung vereinbaren. Verdient der gesetzlich versicherte Elternteil mehr, kann die beitragsfreie Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen genutzt werden.

Entscheidung für die private Krankenversicherung

Ist Ihre Entscheidung zugunsten einer privaten Krankenversicherung gefallen, steht Ihnen nun die Qual der Wahl bevor. Denn der Markt der privaten Krankenversicherungen hält für Sie eine Vielzahl der unterschiedlichsten Versicherungsbausteine, Tarife und Angebote bereit, die jedes der ca. 50 Versicherungsunternehmen in Deutschland höchst individuell gestaltet. Daher ist eine kompetente, unabhängige Beratung (z.B. durch die Verbraucherzentralen der Länder) und gründliche Prüfung der eigenen Vorstellungen und Angebote dringend zu empfehlen.

Worauf Sie beim Vergleichen der Angebote achten sollten:

  • Wie hoch ist die Versicherungsprämie?
  • Welche Leistungen können in Anspruch genommen werden?
  • Wie ist das Preis-Leistungsverhältnis insgesamt zu bewerten?
  • Welche Leistungen erstattet der Versicherer in welcher Höhe (Sätze der Gebührenordnung)?
  • Für welche Leistungen gibt es Begrenzungen (z.B. Summenbegrenzungen) oder Staffelungen?
  • Wie sind die häufigeren, oft günstigeren Leistungen und wie die seltener beanspruchten, dafür aber kostenintensiven Leistungen abgesichert?
  • Übernimmt der Versicherer auch Rechnungskosten, die über die maximalen Gebührensätze (3,5-fache der Sätze in der Gebührenordnungen) hinausgehen?
  • Beziehen sich Selbstbehalte auf alle oder einzelne Leistungsbereiche (ambulant, stationär oder zahnärztlich)?
  • In welcher Höhe werden die Selbstbeteiligungen angegeben (Euro-Beträge oder Prozentsatz)?
  • In welchen Umfang werden Kosten für Heil- und Hilfsmittel erstattet?
  • Wie flexibel können Sie Ihre private Krankenversicherung allgemein an neue Lebensbedingungen und Einkommensverhältnisse anpassen (z.B. in Bezug auf das Krankentagegeld)?
  • Für wie lange werden Ihnen stabile Beiträge vertraglich garantiert?
  • Seit wie vielen Jahren wird der Tarif angeboten? Welche Mitgliederstruktur weist er auf?
  • Wie lange ist ein Tarif gültig (mindestens 1 Monat laut den Musterbedingungen des Verbandes für private Krankenversicherungen)?
  • Wie lange bietet das Versicherungsunternehmen Krankenversicherungen an?
  • Wie gut ist der Service des Versicherungsunternehmens?



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