Besonderheiten

Einkommen wieder unterhalb der Versicherungspflichtgrenze

Rutschen privat versicherte Arbeitnehmer und Angestellte unter die Versicherungspflichtgrenze oder verlieren sie sogar ihre Arbeit bzw. müssen andere staatliche Leistungen beziehen, gilt für sie automatisch wieder die gesetzliche Versicherungspflicht und sie müssen sich wieder als bei einer gesetzlichen Krankenkasse anmelden.
Wie verfahren Betroffene nun aber mit ihrer privaten Krankenversicherung? Ihnen stehen mehrere Möglichkeiten offen:

Antrag auf Befreiung von der Pflichtversicherung

Wer fünf Jahre privat krankenversichert war, kann sich von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien. In den Antrag auf Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht geben Sie einen Grund an (z.B. Arbeitslosigkeit), an den Sie sich unwiderruflich für alle Zeit binden. Im Klartext heißt das: sollten Sie in Zukunft wieder von Arbeitslosigkeit betroffen sein, besteht für Sie keine Versicherungspflicht mehr, in anderen Fällen (Gründen) gilt für Sie dagegen wieder die Versicherungspflicht, z.B. wenn Ihr Einkommen die Versicherungspflichtgrenze unterschreitet. 

Kündigung der privaten Krankenversicherungen

Tritt für Sie wieder die Versicherungspflicht ein, können Sie nach Bekanntwerden innerhalb von 2 Monaten Ihren Vertrag mit dem privaten Krankenversicherungsunternehmen kündigen. Sie haben mit dem Nachweis über die Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse ein außerordentliches Kündigungsrecht.

Anwartschaftsversicherung

Wer eine Anwartschaftsversicherung abschließt, erwirbt damit das Recht auf eine private Krankenversicherung zu einem späteren Zeitpunkt. Die Anwartschaft tritt ein, sobald einer der vereinbarten Gründe auftritt. Während der Anwartschaft zahlen Sie Anwartschafts-Beiträge (mit Alterungsrückstellungen), haben aber keinerlei Anspruch auf Leistungen. Als Gründe für eine Anwartschaft können beispielsweise folgende festgeschrieben werden: Eintreten der gesetzlichen Krankenversicherung, wirtschaftliche Notzeiten (begrenzt auf ein Jahr) oder Anspruch auf Familienunterstützung durch die GKV.
Man unterscheidet zwischen einer kleinen und großen Anwartschaft. Die kleine Anwartschaft wird allgemein für längere Zeiträume abgeschlossen. Bei ihr tritt man zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung in den privaten Krankenschutz ein, allerdings werden die nun zu zahlenden Tarif-Beiträge anhand des aktuellen Eintrittsalters berechnet.
Im Falle der großen, für kürzere Zeiträume gedachten Anwartschaft werden dagegen der „alte“ Gesundheitszustand und das „alte“ Eintrittsalter beibehalten, so dass der Krankenversicherungsschutz unter den gleichen Bedingungen wieder in Kraft tritt. Die einzelnen Versicherungsunternehmen gestalten die Vertragsbedingungen sehr unterschiedlich, so dass auch hier eine genaue Prüfung notwendig ist.

Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung

  • Der Wechsel von einer privaten in die gesetzliche Krankenversicherung ist ebenfalls möglich.
  • Arbeitnehmer müssen belegen, dass ihre Einnahmen ein Jahr lang unterhalb der Versicherungspflichtgrenze lagen.
  • Selbständige können nur dann zurück in den Schoss der gesetzlichen Krankenversicherung, wenn sie ihre selbständige Tätigkeit aufgeben, ein Jahr lang hauptberuflich einer Arbeit als Festangestellter nachgehen und dafür ein geringeres Einkommen erhalten, als die aktuelle Jahresarbeitsentgeltgrenze vorgibt.
  • Für Personen, die das 55. Lebensjahr vollendet haben, ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung gänzlich versagt. Ihnen steht  lediglich der Basistarif zur Verfügung.

Rente

Wie die gesetzliche, so ist auch die private Krankenversicherung im Alter weiter zu zahlen. Wie es sich in der Vergangenheit wiederholt gezeigt hat, kann so mancher privat Versicherte in finanzielle in Schwierigkeiten geraten: einerseits verringert sich das Einkommen aufgrund der fehlenden Erwerbstätigkeit, zum anderen steigen die Versicherungsbeiträge, da die Versicherten in dieser Lebensphase vermehrt Leistungen in Anspruch nehmen.
Um allzu drastische Steigerungen zu verhindern, haben die Versicherungsunternehmen und der Gesetzgeber einige Vorkehrungen getroffen. So enthalten die monatlichen Beiträge so genannte Alterungsrückstellungen, die im Laufe der Versicherungsjahre angespart und verzinst werden. Hinzukommt der gesetzlich vereinbarte 10-Prozent-Zuschlag, der dem gleichen Zweck dient. Außerdem entfällt mit Eintritt ins Rentenleben der Beitragsanteil für die Krankentagesgeldversicherung.
Wer sich als Arbeitnehmer oder Angestellter privat krankenversichern konnte, erhält zudem auf Antrag einen Zuschuss vom Rentenversicherungsträger (im Jahr 2009 sind das 7,3 Prozent). Dieser Zuschuss fängt den entfallenden Arbeitgeberzuschuss auf. All diese Faktoren mildern die Beitragssteigerungen ab.
Wer dennoch daran zweifelt, ob er sich die Beiträge zur privaten Krankenversicherung im Alter noch leisten kann, hat in diesem Fall folgende Möglichkeiten.
  • Ihnen steht der Wechsel in den Basistarif zur Verfügung, der Ihnen den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung garantiert und dessen Versicherungsprämie nicht höher als der gesetzliche Höchstbetrag liegen darf.
In jeden Fall gilt es: informieren Sie sich rechtzeitig über die Möglichkeiten, die Ihnen Ihr Versicherungsunternehmen im Alter bieten kann.



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