Geschichte der GKV
Die gesetzliche Krankenversicherung ist die älteste Säule der Sozialversicherungen in Deutschland. Ihre Geschichte nimmt ihren Anfang im Jahr 1883, als Bismarck die Krankenversicherung der Arbeiter verkündete. In den folgenden Jahren entstanden weiterhin unter Bismarcks Federführung die Unfallversicherung sowie die Invaliden- und Altersversicherung. Im Krankheitsfall garantierte die erste gesetzliche Krankenversicherung den Arbeitern unter anderem ärztliche Behandlungen, Medikamente, Krankentagegeld, Unterstützungen für Mütter sowie Sterbegeld.
Darüber hinaus stand es den damals entstehenden Orts-, Innungs- und Betriebskrankenkassen frei, wie sie ihren Leistungsumfang gestalten. So konnten sie beispielsweise den Versicherungsschutz auf Familienangehörige ausdehnen. Wie heute auch richteten sich die Beiträge nach dem Bruttoeinkommen. Die Arbeiter trugen die Beiträge zu zwei Dritteln größtenteils selbst, den Rest bezahlte der Arbeitgeber.
Die Reichsversicherungsordnung von 1911 bildete das Gesamtregelwerk für die Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung. Sie wurde am 19. Juni 1911 verabschiedet, trat 1914 in Kraft und blieb bis 1992 die wichtigste Grundlage für die Sozialversicherungen in Deutschland. Das Sozialgesetzbuch löst die Reichsversicherungsordnung ab dem Jahr 1975 nach und nach ab. Hinsichtlich der Krankenversicherung brachte die Reichsversicherungsordnung u.a. die Neuerung mit sich, dass die Versicherungspflicht nun auch auf Wanderarbeiter, Arbeitern aus der Land- und Forstwirtschaft sowie Dienstboten ausgedehnt wurde.
1969 trat das Lohnfortzahlungsgesetz in Kraft.
1974 wurden Studenten, Behinderten, Künstler, Publizisten und selbständige Landwirte in den Kreis der gesetzlich Krankenversicherten aufgenommen. Außerdem wurden als Folge des Wirtschaftsaufschwungs die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung verbessert. Schon 3 Jahre später musste ein Kostendämpfungsgesetz eingeführt werden, um den drastisch angestiegenen Kosten im Gesundheitswesen Einhalt zu gebieten.
1989 wurde das Gesundheitsreformgesetz verabschiedet und im Fünften Buch des Sozialgesetzbuches verankert. Mit diesem wurde der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung unter anderem um die Bausteine Gesundheitsförderung, Früherkennung von Krankheiten und Kieferorthopädie erweitert.
Nach der Wende galten die Regelungen der gesetzlichen Krankenversicherung auch für die neuen Bundesländer in vollem Umfang.
1993 begann man die gesetzliche Krankenversicherung neu zu strukturieren. So sollte mit dem Gesetz zur Sicherung und Strukturverbesserung der gesetzlichen Krankenversicherung zukünftig die Beitragsgerechtigkeit gewährleistet und der Wettbewerb unter den Krankenkassen gefördert werden. Weiterhin wurde als wichtige Neuerung der Risikostrukturausgleich eingeführt.
1995 wurde mit der Einführung der Pflegeversicherung die Fünfte Säule des Sozialversicherungssystems aufgebaut und eine dringende Lücke in der Versorgung gefüllt.
1997 bildeten das Gesetz zur Beitragsentlastung für die gesetzliche Krankenversicherung sowie das Neuordnungsgesetz die 3. Stufe der Gesundheitsreform. Als Neuerungen kamen damit unter anderem das außerordentliche Kündigungsrecht für die Versicherten sowie für die Krankenkassen eine größere Freiheit in ihrer Strukturierung und Leistungsgestaltung.
Ab 2000 traten weitere Gesetze der Gesundheitsreform in Kraft. Sie dienen zum einen der Qualitätssicherung von Leistungen und zum anderen der gesicherten Finanzierung des Gesundheitssystems. So wurden unter anderem präventive Leistungen wieder in den Leistungskatalog aufgenommen und Maßnahmen zur Überprüfung von Krankenhäusern eingeführt. Darüber hinaus erhielten die Krankenkassen die Möglichkeit, Hausarztmodelle und integrative Versorgung anzubieten.
2004 waren mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz mehrere einschneidende Veränderungen in Kraft getreten. So unter anderem die Einführung der Praxisgebühr, Erhöhung von Zuschüssen, Festlegung von Belastungsobergrenzen, Streichung der Zuschüsse für Brillen, Arztneimitteln und Fahrtkosten sowie die Streichung von Entbindungs- und Sterbegeld.
2005 Gesetz zur Anpassung der Finanzierung des Zahnersatz: Für Arbeitnehmer wurde der zusätzliche Beitragssatz von 0,9 Prozent eingeführt, den sie fortan allein tragen. Gleichzeitig sollten die Krankenkassen ihre Beitragssätze um 0,9 Prozent senken. Diese Entscheidung dient der Senkung der Lohnnebenkosten und der Entlastung der Rentenkassen. Als Alternative stand unter anderem die private Zusatzversicherung für Zahnersatz.
2006 Arztneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz: Unter anderem wurde der Einsatz von nicht-manipulativer Software in Apotheken verpflichtend, für verordnungsfähige Medikamente gilt ein 2-jähriges Preiserhöhungsverbot und die Festbeträge von Arztneimitteln wurden herabgesetzt.
Die Gesundheitsreform von 2007 brachte die Versicherungspflicht für gesetzlich Versicherte, den modifizierten Standardtarif für ehemals privat Versicherte, die aber aktuell über keinen Versicherungsschutz verfügen.
2008 Krankenkassenspitzenverband gegründet, der als neutrale Instanz die Regelungen für den Wettbewerb der Krankenkassen beschließt.
Neuerungen 2009: Einführung des Gesundheitsfonds, Einführung des allgemeinen Beitragssatzes, Krankenkassen dürfen Wahltarife anbieten, damit der Wettbewerb unter ihnen gestärkt wird. Folgende Modelle stehen ihnen zur Verfügung:
  • Hausarzttarif: Der Versicherte verpflichtet sich, im Krankheitsfall zuerst seinen Hausarzt aufzusuchen, um von ihm eine Überweisung zu einem Facharzt zu erhalten. Dafür erhält er einen Bonus oder eine Befreiung von der Praxisgebühr oder von Zuzahlungen.
  • Selbstbehaltstarif: Beteiligung an den Kosten für in Anspruch genommene Leistungen bis zu einem bestimmten Betrag.,
  • Kostenerstattungstarif: Der Versicherte bezahlt einen zusätzlichen Betrag, um Leistungen wie privat Versicherte in Anspruch nehmen zu können. Für ärztliche Behandlungen erhält er eine Arztrechnung, die er zunächst selbst begleicht. Die Krankenversicherung erstattet ihm beim Einreichen der Rechnung die Kosten, allerdings nur für bestimmte Leistungen, über die man sich im Vorhinein bei seiner Krankenkasse erkundigen sollte. Sonst bleiben Sie möglicherweise auf den Arztkosten sitzen.
  • Integrierte Versorgung: Die Leistungen von Hausarzt, Fachärzten, Apotheken, ambulanter und stationärer Behandlungen sowie alternative Heilverfahren werden aufeinander abgestimmt.
  • Krankengeldtarif: Ein Tarif, der einen Individuellen Krankengeldanspruch für diejenigen gewährt, die seit dem 1. Januar 2009 keinen Anspruch mehr auf Krankentagegeld haben.
Weitere Neuerungen seit 2009:
  • Risikostrukturausgleich: Der neue RSA soll sich am tatsächlichen Gesundheitsstand der Versicherten orientieren.
  • Neue Gebührenverordnung der Ärzte: Darin sind die festen Euro Beträge für einen bestimmten Leistungsumfang festgeschrieben.
  • Neue Pflichtleistungen: Impfungen, Mutter-Vater-Kind-Kuren, Rehabilitationsmaßnahmen
  • Ausweitung der ambulanten Behandlungen, insbesondere für spezielle Leistungen infolge seltener Erkrankungen, palliativmedizinische Versorgung für schwerkranke Menschen
  • neue Arztneimittelverordnung: Für die Verordnung spezieller, innovative Arztneimittel ist eine Zweitmeinung einzuholen. Krankenkassen können mit Medikamendenherstellern günstigere Preise für ihre Versicherten aushandeln. Der Versicherte ist dann auch verpflichtet, dieses zu nehmen. Diese Maßnahmen dienen vorrangig der Wirtschaftlichkeit und dem Schutz der Patienten vor fragwürdigen Therapieangeboten.



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